Eigentümer von Ladenlokalen in den 1a-Lagen deutscher Innenstädte sind von der Finanz- und Wirtschaftskrise weitgehend verschont geblieben. "Bei den Spitzenmieten in den besten Innenstädten gab es keinen wirklich spürbaren Preisnachlass", stellt Achim Weitkamp, geschäftsführender Gesellschafter des auf Einzelhandelsflächen spezialisierten Maklerhauses Lührmann fest. "Die immer professioneller strukturierten Filialunternehmen ringen unbeeindruckt von der Krise weiter um eine natürlich begrenzte Anzahl an Ladenflächen in den deutschen Fußgängerzonen und Einkaufsstraßen."
In einer aktuellen Marktübersicht von Lührmann ist die Veränderung der Spitzenmieten für 80 bis 120 Quadratmeter große Ladenlokale in 253 deutschen Einkaufsstädten über die vergangenen zehn Jahre untersucht worden. Danach stieg die durchschnittliche Spitzenmiete von 53,77 Euro je Quadratmeter im Jahr 2001 bis zum vorläufigen Höhepunkt von 58,95 Euro im Jahr 2008. Im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise ging es im Folgejahr zwar wieder auf 58,49 Euro zurück, was aber immer noch über dem Wert vom 2007 (58,15 Euro) liegt. Im laufenden Jahr hat sich die durchschnittliche Spitzenmiete bei 58,47 Euro eingependelt. Insgesamt stieg sie über die vergangenen zehn Jahre um 8,7 Prozent, wobei die Mietpreissteigerungen in den zehn wichtigsten Einkaufsstädten durchweg überdurchschnittlich ausfielen.
Diese stabile Entwicklung in den innerstädtischen 1a-Lagen deckt sich mit den Beobachtungen anderer Maklerhäuser. "Ein Grund dafür ist, dass die national und international erfolgreichen Einzelhändler nach wie vor massiv um die besten Einkaufslagen in Deutschland konkurrieren und so die Preise hochhalten", kommentiert Jürgen Kreutz, geschäftsführender Gesellschafter der Comfort Holding, das Geschehen. "Besonders die internationalen Newcomer sind auf der Suche nach Top-Flächen und beleben das Geschäft nachhaltig"; bestätigt Doris von Muschwitz, die die Einzelhandelsvermietung bei Jones Lang LaSalle in Deutschland leitet.
Wie weit allerdings die Mieten in den einzelnen Städten nicht zuletzt wegen der unterschiedlichen Kaufkraft auseinandergehen, macht das in dieser Woche veröffentlichte Metropolenranking von Comfort deutlich. Danach bleibt München das mit Abstand teuerste Pflaster für innenstädtischen Einzelhandel in Deutschland. Für neue Mietverträge wurden in diesem Jahr in der Kaufinger- oder Neuhauser Straße durchschnittlich 310 Euro je Quadratmeter aufgerufen. Dahinter folgen Berlin mit 270 Euro und Köln mit 260 Euro. Am anderen Ende der 15 Großstädte umfassenden Aufstellung befinden sich Essen mit 97 Euro und Duisburg mit 68 Euro.
Eigenkapitalstarken Immobilieninvestoren ist die geringe Schwankungsanfälligkeit der Mieteinnahmen von Ladenlokalen in den 1a-Lagen nicht verborgen geblieben. "Es gibt eine extrem hohe Nachfrage im Investmentbereich, die nicht einmal ansatzweise befriedigt werden kann", sagt Comfort-Geschäftsführer Kreutz. Tatsächlich tun sich viele Eigentümer schwer mit einem Verkauf weil sie selbst den Charakter ihrer Objekte als sichere Kapitalanlage zu schätzen wissen. Entsprechend steigen die Preise für Objekte mit sicheren Mieteinnahmen stetig. Für Aufsehen sorgte zum Beispiel der in diesem Herbst vollzogene Erwerb des innerstädtischen Geschäftshauses Spitalerhof in Hamburg mit rund 7700 Quadratmetern Einzelhandelsfläche für runde 160 Millionen Euro durch die Bayerische Versorgungskammer. Bezahlt werden muss die Sicherheit allerdings mit geringen Anfangsrenditen. Diese liegen in deutschen Metropolen nach Angaben von Comfort derzeit bei durchschnittlichen etwa 4,5 Prozent.
Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 17.12.2010